Spätkaufdialog, eben bei mir in der Libauer Ecke Revaler. Situation: Typ kommt rein, um die 30, wirkt verkatert, bisschen nervös, schaut sich um, inspiziert den Bierschrank und nimmt sich den aktuellen Spiegel (Thema “Das Wahltheater”); der Verkäufer kassiert mich derweil ab und beobachtet mit einem Auge den nervösen Neuzugang.
Typ: “Sacht ma´, hier Merkel und Steindings …”
Verkäufer: “pfff …” (zuckt mit den Schultern)
Typ: “is doch Muppetshow, oder?”
Verkäufer: “Hör ma´ Großer, ick mach´ hier keene Politik, sondern ick verkoofe den Leuten wat.” (kuckt zum Fenster raus, hält die Kasse offen)
Typ: “So´n Kack hier. Is doch dat selbe! Verkoofen tun se uns doch alle wat!” (legt den Spiegel wieder weg und nimmt sich´n Bier)
Verkäufer: “Sonst noch wat?” (jetzt wirkt er sichtlich gereizt)
Typ: “Nee, lass´ma jut sein.” (guckt auf den Boden, zahlt und verschwindet)
Schon interessant, was der Wahlk(r)ampf im Alltag für Geschichten hervorbringt.





Die Krise hat auch meinen Blog erwischt: Vier Monate Aussetzen: Gehen Sie ins Gefängnis, begeben sie sich direkt dorthin. Gehen sie nicht über Los und ziehen sie keine 4.000 DM ein. Zeit, sich den Details des Debakels zu widmen und gleichermaßen Aufklärung zu betreiben: Die Finanzkrise aus Berliner Sicht: Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschliesst sie, die Getränke der Stammkundschaft -hauptsächlich alkoholkranke Hartz IV Empfänger- auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandy’s Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit massiv ihren Umsatz. 
Seit knapp 2 Monaten lebe & arbeite ich nun in Berlin. Aber was macht der da eigentlich? Und wo genau? Die Cam war hin und wieder in der Jackentasche dabei – Zeit, Euch mal ein paar Eindrücke zu zeigen, wo & wie ich meinen Lebensunterhalt derweil finanziere. Zwischen hartem Sprit und gesunden Säften vereinen sich Schichtarbeit und Berliner Nightlife zu einer vertretbaren Selbterhaltungsmöglichkeit – und zwar gänzlich ohne gerichtliche Prozesse gegen diverse Behörden.


Wer umzieht, muss sich kümmern … vor allem um Behördengänge! So ein Standortwechsel durch die halbe Republik ist ja an sich schon kräftezehrend genug, gekrönt wird ein solches Unterfangen allerdings erst mit einer gewissen Latenz. Nachdem alle Umzugskartons dem Wiederverwertungskreislauf zugeführt wurden, stand heute der Gang zum Einwohnermeldeamt auf der Tagesordnung. Das Einwohnermeldeamt? Berlin hat exakt 12 solcher stets sympathischen Menschenverwaltungsapparate, was die Angelegenheit kurzfristig zu erschweren scheint. Da diese Stadt aber recht übersichtlich in Bezirke eingeteilt ist, lässt sich das Entscheidungsproblem flux auf die 12er Option subsummieren. Gott sei Dank funktioniert das Internet bereits! Es ist wie gesagt Freitag, 12:15 Uhr und ich erinnere mich wage an die alte Beamtenweisheit: “Freitags um eins, macht jeder seins”. 
