Archiv zum Stichwort: Leben

Berlin: Nachricht vom Volk

17. September 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,
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Merkel vs. Steinmeier: Masters of Muppets (Quelle: ARD)

Spätkaufdialog, eben bei mir in der Libauer Ecke Revaler. Situation: Typ kommt rein, um die 30, wirkt verkatert, bisschen nervös, schaut sich um, inspiziert den Bierschrank und nimmt sich den aktuellen Spiegel (Thema “Das Wahltheater”); der Verkäufer kassiert mich derweil ab und beobachtet mit einem Auge den nervösen Neuzugang.

Typ: “Sacht ma´, hier Merkel und Steindings …”

Verkäufer: “pfff …” (zuckt mit den Schultern)

Typ: “is doch Muppetshow, oder?”

Verkäufer: “Hör ma´ Großer, ick mach´ hier keene Politik, sondern ick verkoofe den Leuten wat.” (kuckt zum Fenster raus, hält die Kasse offen)

Typ: “So´n Kack hier. Is doch dat selbe! Verkoofen tun se uns doch alle wat!” (legt den Spiegel wieder weg und nimmt sich´n Bier)

Verkäufer: “Sonst noch wat?” (jetzt wirkt er sichtlich gereizt)

Typ: “Nee, lass´ma jut sein.” (guckt auf den Boden, zahlt und verschwindet)

Schon interessant, was der Wahlk(r)ampf im Alltag für Geschichten hervorbringt.

Berlin: Der schwarze Montag

19. Juli 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,
S-Bahn: sitting, waiting, wishing

S-Bahn: Sitting, Waiting, Wishing

Morgen, Kinder, kommt der Kollaps: Ab Montag gilt der neue Notfallfahrplan der Berliner S-Bahn – eine Art Infarktausrede. Ich möchte an dieser Stelle nicht nochmal erwähnen, dass seit Wochen die Fahrgäste fast von den Gleisen fallen, ich will garnicht nochmal darauf eingehen, dass ich jeden Tag russisches Roulette um einen Stehplatz spiele, ich verdränge den Gedanken daran, dass ich nahezu 30 Minuten länger von/zur Arbeit  benötige als üblich und trotzdem jeden Monat 60 € vom Konto eingezogen werden (der Begriff “Lastschriftverfahren” erlangt diesbezüglich eine ganz neue Symbolik), denn ab morgen wird ja alles besser, endlich greift der Notfallfahrplan. weiterlesen …

Berlin: Der Sturm

11. Juni 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,
Vom Winde verweht: Libauer 18

Libauer 18: Vom Winde entforstet

Eines steht fest: Diese Woche war für mich  bis auf vereinzelte Lichtblicke des sozialen Austauschs ziemlich blöd (Anm. d. Red.: in Berlin gibt darüber hinaus auch nicht so viele Feiertage wie im Rest der Republik). Die wohl überzeugendste Insignie dafür brachte das Wetter mit sich. Von unerträglich schwülwarmen Temperaturen über schafsentlehnte Kälte bis hin zu orkanartigen Unwettern inklusive dazughörigen Warnungen wurde in den vergangenen Tagen so einiges geboten. Ein regelrechtes Gleichnis, dem man als Beitragspflichtiger hilflos ausgeliefert zu sein scheint: Wetter doof – Stimmung doof. Man stellt sich am Abend ebenfalls die Frage, ob man jetzt mit über 30 doch plötzlich wetterfühlig wird? War das nicht den Rentnern vorbehalten, die sonst keine Sorgen haben? Außerdem ist es von Zeit zu Zeit für die eigene Psychohygiene erforderlich, “mal ordentlich übers Wetter wettern zu dürfen”. Nicht schlecht staunte ich dementsprechend, als ich heute im Sturmregen von der Arbeit nach Hause kam und eigentlich nur noch schnell den Müll runterbringen wollte … weiterlesen …

Berlin: Frei in den Mai

03. Mai 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , , ,
ab ins

ab ins Großstadtgrüne ...

myfrei: Obwohl der 1. Mai der Tag der Arbeit ist, hatte Deutschland frei. Eine durchaus passende Gelegenheit, endlich einmal das sommerliche Wetter außerhalb der Bürozeiten zu genießen. Wer denkt, dass man in der Hauptstadt keinen Himmel sieht und Bäume nur im Fernsehen wiedererkennt, sei eines Besseren belehrt. So gräßlich Berlin im Winter ist, so herrlich sind hingegen die warmen Tage, denn kaum eine andere Multi-Millionen-Metropole bietet so viel Grün in der Stadt wie das dicke B an der Spree. Tausende politisch entwertete Besucher pilgerten dieser Tage Richtung Kottbusser Tor und Boxhagener Platz, um in Berlin “gegen was  zu sein”, zündeten wie immer Autos, Mülltonnen und Polizisten an. Für einen Tag wurde der Bürgerkrieg nachgestellt – direkt vor der Haustür. Doch ich hatte andere Pläne … weiterlesen …

Berlin: Die Einunddreißig

20. April 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte:
 eine sichere Sache: Der Alte

eine sichere Sache: Der Alte

Mit Vier, Spiel Fünf: 18? Hab ich. 20? Hab ich. 30? Seit heute habe ich sogar 31, komme zuerst raus, bin vorne – ungelogen -  mit einem Oma-Blatt, denn 2009 ist mein Jahr, mein Spiel, mein “Grand”, den ich heute souverän von oben runter ziehe. Mit 4 Ässern, 4 Zehnen und 4 Jungs auf der Hand macht man so ziemlich jeden Stich, obschon ich mit meinem alten Blatt mehr “Schneider” als Jäger blieb. In 31 Jahren habe ich mich mitunter überreizt und auch so manche Null galt es für mich zu spielen. Manchmal muss man eben bekennen, selbst wenn es wehtut, vor allem dann, wenn man mit einer Farbe zu spät blank wird. Es ist nie sicher, dass man eine Zehn nach Hause holt. Trumpf-Luschen, Ässer und andere böse Buben entpuppen sich als gefährliche Konter, da heißt es aufpassen und mitzählen. Die Letzten werden die Ersten sein, denn wer vorne ist, kann auch ganz schnell hinten bleiben. Beim Skat sind Strategien und Erfahrung nützlich, jedoch bei weitem kein Punktegarant. Klar, wer den “Alten” auf der Hand hält, startet zwar solide in die Partie, doch im Skat verhält es sich wie im Leben – entscheidend ist das Beiblatt. weiterlesen …

Berlin: The Oster-Aftermath

18. April 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , , ,

Freiheit Freizeit: Mit knapp 70 Überstunden und Resturlaub ´08 ausgerüstet, reichte ich die erste längere Abstinenz vom Teufel Alltag ein. In den vergangenen 2 Wochen brach ich sämtliche Geschäftsbeziehungen zum Wecker ab und widmete mich gänzlich meinen unpsychologischen Interessenschwerpunkten, meinen Freunden und natürlich der Familie. Heraus kam ein provozierter Ausgleich mit ordentlich Rehabilitationseffekt. weiterlesen …

Psychologie: Der Krise Ursprung

13. Januar 2009 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , , ,

ostkreuz_klein Die Krise hat auch meinen Blog erwischt: Vier Monate Aussetzen: Gehen Sie ins Gefängnis, begeben sie sich direkt dorthin. Gehen sie nicht über Los und ziehen sie keine 4.000 DM ein. Zeit, sich den Details des Debakels zu widmen und gleichermaßen Aufklärung zu betreiben: Die Finanzkrise aus Berliner Sicht: Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschliesst sie, die Getränke der Stammkundschaft -hauptsächlich alkoholkranke Hartz IV Empfänger- auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandy’s Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit massiv ihren Umsatz. weiterlesen …

Indien: Die Dreißig

20. April 2008 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,
Wenn aus Zeit Erfahrung wird: 30 Jahre Bewegung

Wenn aus Zeit Erfahrung wird: 30 Jahre Bewegung

Drei Jahrzehnte Welt: Dickes Baby, uncooler Schueler, widerspenstiger Soldat, unmotivierter Polizist, frisch gekochter Psychologe. Der Lebenslauf in Amtsform. Mehr wollen viele Menschen garnicht wissen. Der Blick in die Vergangenheit ist zweifellos noetig, aber auch ebenso falsch. Der Feiertag meiner Geburt, er ist fuer andere wahrscheinlich wichtiger als fuer mich selber. Ich werde ihn geniessen, weit weg von allen anderen Tagen, die es bisher gab.

Ich danke allen Menschen, von denen ich lernen durfte, mit denen ich leben konnte, die ich liebe und mit denen ich mich messe. Eure Begegnungen sind Geschenke, Gefuehle sind Eure Gabe, die Ideen eine bereichernde Konsequenz. Letztens las ich auf einem Immobilienplakat in Thrissur “Stop existing! Start living!” … denkt man schon mal kurz drueber nach, selbst wenn man sich fuer kein Reihenhaus am Stadtrand einer hässlichen indischen Großstadt interessiert.

Foto: Berlin im Bild #1

27. Oktober 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , , ,

Berlin explizit: Nach 2 Monaten Berlinleben ziehe ich ein erstes Resume in Form einer umfangreichen Galerie zum Standortwechsel. An nahezu jedem Tag und in jeder Nacht wurde mir die Dualität der Extreme zwischen Schönheit & Abgrund verdeutlicht – oftmals ungefragt und direkt. Nicht immer war die Kamera dabei, aber ich habe sie mir mittlerweile angewöhnt – nicht zuletzt deshalb, weil ich sie in gewisser Weise auch brauche, um zu sortieren. Das hier ist Berlin, wie ich es bisher in Auszügen wahrnahm und auch erlebte.  All die dutzenden bunten Augenscheinlichkeiten, deren Extreme in beide Richtungen größer nicht sein könnten, findet Ihr jetzt im ersten Teil meines “Berlin im Bild” Fotoprojektes.

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Berlin: Der Selbstversorger

26. Oktober 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,

Seit knapp 2 Monaten lebe & arbeite ich nun in Berlin. Aber was macht der da eigentlich? Und wo genau? Die Cam war hin und wieder in der Jackentasche dabei – Zeit, Euch mal ein paar Eindrücke zu zeigen, wo & wie ich meinen Lebensunterhalt derweil finanziere. Zwischen hartem Sprit und gesunden Säften vereinen sich Schichtarbeit und Berliner Nightlife zu einer vertretbaren Selbterhaltungsmöglichkeit – und zwar gänzlich ohne gerichtliche Prozesse gegen diverse Behörden.

“Tempo-Box Berlin-Friedrichshain” - Meine Aufgabe besteht darin, die Bar zu “machen”, sprich über 200 Cocktails mixen zu können, Longdrinks, Kaffezeug sowie alllerlei Bierchen und Softgetränke. Die Karte ist lang, ebenso die Speisevarianten. Man kann fürstlich essen & am Wochenende gibts sogar einen ultimativen Brunch für 7,50 – bei dem noch nie jemand hungrig geblieben ist. Der Laden genießt einen sehr guten Ruf in der Stadt, was die zahlreichen Reservierungen auch eindrucksvoll belegen. weiterlesen …

Psychologie: Schwarz Rot Geiz

26. Oktober 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,
5,0: wenn eine Ansage zum Prinzip wird

5,0: Ansage ohne Bewertungsbezug

Kürzlich traf ich in der S-Bahn drei Regensburger Schüler, die auf dem Weg zu einem Konzert waren. Nachdem ich ihnen den Weg erklärt hatte und wo sie demnächst mal besser aussteigen sollten, luden sie mich freundlicherweise auf ein Bierchen ein (in der S-Bahn wohlgemerkt, man fährt ja noch ´ne Weile). Da der Alkohol & Drogenkonsum in der Hauptstadt nichts weiter weltbewegend krasses ist, schnappte ich mir das schwarze Novum und staunte … Entgegen allen Gesetzen des Marketings und den mächtigen Mechanismen der Werbepsychologie widersprechend, erschmeckte ich das relativ gute “Bier ohne Namen” aus einer ungestalteten, schwarz-weißen Dose. Lediglich die Alkoholvolumenprozentangabe bildet einen produktbegrifflichen Wiedererkennungswert. 5,0 Original – so heißt die Hopfen-Brause. Dennoch gibt sich der Hersteller nicht unbedeckt und erklärt, warum die Verpackung derart DDR-mäßig ausfällt. Hier ein Auszug des Untertitels: weiterlesen …

Berlin: Der Stillstand

25. Oktober 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , ,

Rien ne va plus! Nix fährt mehr.

Rien ne va plus! Nix fährt mehr.

Bahnstreik. Ich weiß, man hört es ja seit Wochen immer wieder auf allen Kanälen. Die Lokführer wollen mehr Geld für´s Lokführen, während Mehdorn sich mal eben 77% mehr Gehalt einstreicht. Die anfängliche Solidarität mit den Herren der Gleise driftet aber mit diesem Donnerstag langsam aber sicher in eine Art frustrierende, semiakzeptable Hilflosigkeit ab. Verständlich, wie ich mittlerweile auch denke. In Berlin erlebe ich den Ausfallmarathon seit einigen Wochen mit. Wenn man sich in dieser gewaltigen Stadt bewegen möchte, sind die öffentlichen Verkehrsmittel nunmal das Optimum. Auto kann man bequem knicken – man würde seinen Tank eh nur an Ampeln im Standgas “verfahren”. Doch was passiert, wenn man am Ostkreuz stundenlang in der Kälte steht, die Bahnsteige an dunkle Deportationsarchivbilder erinnern, und einfach nicht vom Fleck kommt? weiterlesen …

Berlin: Ein Freitag im Amt

14. September 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: ,

Wer umzieht, muss sich kümmern … vor allem um Behördengänge! So ein Standortwechsel durch die halbe Republik ist ja an sich schon kräftezehrend genug, gekrönt wird ein solches Unterfangen allerdings erst mit einer gewissen Latenz. Nachdem alle Umzugskartons dem Wiederverwertungskreislauf zugeführt wurden, stand heute der Gang zum Einwohnermeldeamt auf der Tagesordnung. Das Einwohnermeldeamt? Berlin hat exakt 12 solcher stets sympathischen Menschenverwaltungsapparate, was die Angelegenheit kurzfristig zu erschweren scheint. Da diese Stadt aber recht übersichtlich in Bezirke eingeteilt ist, lässt sich das Entscheidungsproblem flux auf die 12er Option subsummieren. Gott sei Dank funktioniert das Internet bereits! Es ist wie gesagt Freitag, 12:15 Uhr und ich erinnere mich wage an die alte Beamtenweisheit: “Freitags um eins, macht jeder seins”. weiterlesen …

Umzug: Projekt Leben 2.0

06. September 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , , , ,

Preußen ruft: Auf nach Berlin!

Leaving Las Wügas: Die letzten Tage habe ich mal wieder mein Leben in Kartons gepackt und bin nach Berlin gezogen. Ich lasse viele Dinge in Würzburg zurück, enge Freunde, sympathische Sportkollegen und jede Menge schöner Erinnerungen. Nach 8 Jahren “Westlife” begegne ich nun wieder meinen Wurzeln im Osten der Republik, und es geht mir gut damit. Es ist ein großer Schritt für mich, aber auch ein immens wichtiger zugleich. Das einzig Beständige im Leben ist nunmal die Veränderung …

Psychologie: Kaffeeklatsch mit ohne Folgen

01. Juli 2007 Kategorie: Tageskarte Stichworte: , , ,

Gewohnheiten zu pflegen ist generell nichts verwerfliches. Gewisse Routinen erleichtern, ähnlich wie in gängigen Programmiercodes, den Abruf und den Zugriff auf relevante Verhaltensweisen, deren Ausführung wiederrum zu erwünschter Nachhaltigkeit führt. Was aber oft verschwiegen wird, ist die Anfälligkeit eines solchen Systems gegenüber Störvariablen aus der Umwelt. Wenn es zeitweilig zu einem derartigen Zwischenfall kommen sollte, hat man als Situations-Administrator alle Hände dementsprechend voll zu tun. So wie gerade eben. Ziel meiner Routine ist, mir selbst einen leckeren Kaffee zu zaubern. Dazu benötige ich verschiedene Zutaten, Geräte und Behälter, deren verhaltensrelevante Ansätze keinen Primaten vor sonderlich große Herausforderungen stellen. Es sei denn, es ist Sonntagnachmittag, man hat gerade eine mehrstündige, anstrengende Motorradtour unternommen, das Telefon klingelt, der Nachbarshund kläfft – und man wird nebenbei zum Entdecker einer uralten Käseaufschnittpackung Marke “Hochland”, die sich im Reiserucksack erstaunlicher Weise lange aber auch weniger lecker über die Zeit gerettet hat. Situation soweit also klar, dazu nun folgende Abbildung aus meiner Küchenzeile: weiterlesen …